Der wilde Wildunfall

Der wilde Wildunfall

0600 – Landstraße in der Dämmerung

Im Radio hört man immer wieder von Wildunfällen und in meinen Gedanken war es nur eine Frage der Zeit bis es auch mich trifft!

Wie jeden Tag fuhr ich in der Morgendämmerung zum Dienst. Direkt nach einer Rechtskurve, die mich zum Glück gezwungen hat abzubremsen, hat eine Gruppe von Rehen die Straße gequert. Ich konnte gerade noch auf 30 km/h abbremsen, einen Zusammenstoß aber nicht verhindern.

Grelles Licht im Augenwinkel! – Ein kurzer Blick in den Rückspiegel bestätigte meine Vermutung, Fahrzeug von hinten. Viele Möglichkeiten hatte ich nicht und so bog ich zügig in einen Feldweg zu meiner Rechten und lies das Fahrzeug an mir vorbei knattern. Bei meinem “rasanten” Ausweichmanöver kam ich mir vor wie Vin Diesel in 2 Fast 2 Furious – vermutlich war es aber eher ein großzügiges Abbiegen wie Gottfried, 74 aus Visselhövede.

Eine Sache war besonders besorgniserregend! Meine Rückbank hat sich durch die Vollbremsung nach vorne geklappt und der halbe Kofferrauminhalt ist durch das Fahrzeug gewirbelt. Wie das passieren konnte? Keine Ahnung! Vermutlich waren die Sitze nicht richtig eingehakt.

 

Was ist direkt nach dem Unfall passiert?

✔️ Warnblinkanlage eingeschaltet
✔️ Polizei informiert
Da mir die Nummer des zuständigen Försters nicht bekannt war, informierte ich die Polizei (110) und übermittelte folgende Informationen:

  • Name
  • Standort
  • Was ist passiert?
  • Kennzeichen
  • Personenschaden, Materialschaden?
✔️ Warnweste angelegt
✔️ Warndreieck aufgestellt
das Reh von der Straße geräumt
Eine dumme Entscheidung, die zum Glück nochmal gut gegangen ist. Ein angefahrenes Reh von der Straße zu räumen, kann extrem gefährlich sein. Das Tier kann aus Panik und Angst um sich treten und sogar beißen und am Ende noch Krankheiten übertragen.

Sollte es Personenschäden oder Materialschäden geben, braucht man zwingend eine Wildunfallbescheinigung für die Versicherung. Die Wildunfallbescheinigung hätte ich beim zuständigen Polizeirevier abholen können. In meinem Fall ist kein Schaden entstanden, entsprechend habe ich auf die Wildunfallbescheinigung verzichtet. – Ich hoffe das wird sich nicht rächen!

In meinem Beitrag zum Thema “Tactical Lifestyle” habe ich von vorhandenem Wissen verfestigen und Automatismen entwickeln geschrieben, das ist hier passiert. Ich habe in der Vergangenheit mehrfach das Verhalten bei einem Unfall geübt und das hat sich hier ausgezahlt. Ich konnte die einzelnen Abläufe routiniert abspielen, wusste was zu tun ist und konnte die Situation ohne größere Schwierigkeiten meistern.

 

Wie hätte ich das ganze verhindern können?

  • Reduzierte Geschwindigkeit entlang unübersichtlicher Wald- und Feldränder
  • Die größte Gefahr droht in der Morgen- und Abenddämmerung, bei Nacht und bei Nebel.
  • Tier am Straßenrand: abblenden, hupen, bremsen. Lenkrad festhalten, keine unkontrollierten Ausweichmanöver.
  • Ein Tier kommt selten allein – Autofahrer sollen stets mit Nachzüglern rechnen.

 

Fazit

Ich hatte Glück! – Währe die Rechtskurve nicht gewesen, hätte ich vermutlich noch 100 km/h auf dem Tacho gehabt. Andererseits habe ich das Reh frühzeitig erkannt und rechtzeitig gebremst. Von “Vorausschauendes Fahren” möchte ich trotzdem nicht sprechen, denn wäre ich vorausschauend gefahren, wäre ich in der Dämmerung, entlang einer Straße mit unübersichtlichen Feldrändern, nicht 100 km/h gefahren. Auch mach ich den Tieren keinen Vorwurf, schließlich bauen wir unsere Straßen durch ihr Wohnzimmer. Ich würde es auch nicht so geil finden, wenn ich auf dem Weg zum Kühlschrank plötzlich mit Gegenverkehr rechnen muss.

Ich werde mich in Zukunft definitiv mit dem Thema Ladungssicherung vertraut machen und entsprechende Maßnahmen treffen. Beim nächsten mal geht das mit dem herumfliegenden Kofferrauminhalt nicht so glimpflich aus.

Ich habe eine interessante und gleichzeitig schockierende Grafik auf der Homepage des DJV gefunden. Die Grafik zeigt das Aufprallgewicht von Wildtieren bei Tempo 60 km/h. In meinem Fall war es “nur” ein Reh, es hätte aber auch ein Rothirsch sein können welcher bei 60 km/h mit 5,0 Tonnen in die Frontpartie einschlägt.

Aufprallgewicht von Wildtieren
Aufprallgewicht von Wildtieren Quelle – Jagdverband.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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